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Posts mit dem Label "Herausforderungen" werden angezeigt.

Über Traurigkeit

Postkarte von Jonna Und manchmal, da bin ich einfach traurig. Wenn ich die Rückmeldung aus dem Kindergarten bekomme, dass Marie ein anderes Kind gehauen hat, werde ich traurig. Nicht wütend oder ärgerlich, ich schäme mich auch nicht oder bin enttäuscht, nein, ich bin einfach traurig. Traurig darüber, dass Marie noch keine ausreichenden Alternativen kennt, um ihre Gefühle, Wünsche und Gedanken zu äußern. Traurig, weil sie nicht versteht, dass sich Menschen abwenden, wenn man dauerhaft nicht die sozialen Regeln befolgt. Traurig, denn ich wünschte mir, dass mein Kind fröhlich mit anderen Kindern spielte. Traurigkeit gehört zu den unangenehmen Gefühlen, die, die man am liebsten vermeiden möchte. Dabei hat auch die Traurigkeit so viel Sinn! (Wer mag, darf an dieser Stelle kurz inne halten und sich fragen, was die Funktion von Traurigkeit eigentlich ist.) Die Funktion der Traurigkeit Traurigkeit verrät uns viel über unsere Wünsche und Bedürfnisse. Sie ist damit ein Wegweiser fü...

Mutmachmantras

Foto von Gelgas by pexels.com Der Chefarzt einer Klinik, in der ich vor Jahren tätig war, sagte gerne zu seinen Patienten: „Manch ein Gedanke muss erst 500 Mal gedacht werden, bevor er ankommt.“ Ich mag diese Aussage, ganz einfach weil sie beschreibt, dass man sein Denken eben nicht per Knopfdruck ändern kann. Ich erlebe immer wieder Tage, die mich herausfordern. An denen ich nicht weiß, ob ich das richtige tue. Es gibt Abende, da sorge ich mich um unsere Zukunft. Es gibt Morgen, an denen fühle ich mich schon vor dem Aufstehen gerädert. Es gibt Mittage, den denen ich mich ärgere und Nächte, in denen ich vor Traurigkeit weine. Ich weiß, dass das alles dazu gehört und auch so sein darf. Ich weiß aber auch, dass es Momente gibt, da hilft alles Nachdenken, Sorgen und Grübeln nicht mehr weiter. Da heißt es „Stop“ sagen und aktiv das Gedankenkreisen unterbrechen. Wenn man so will, bin ich damit mein eigenes Versuchskaninchen und kann all die Techniken, die ich mit meinen Patien...

Wenn die Kinder schwierig sind...

Photo by  Oleg Magni  from  Pexels In einem früheren Beitrag hatte ich ja schon geschrieben, dass es gerade etwas anstrengender bei uns ist. Vermutlich gibt es für solche Phasen kein Patentrezept (außer vielleicht Geduld) und gerade für uns, als junge Eltern, die mit Autismus bis vor kurzem nichts am Hut hatten (rw), ist es noch ein Ausprobieren. Und ein Versuch ging ziemlich in die Hose. Marie ist nicht gut drauf. Sie lacht weniger, weint und schreit dafür umso öfter, haut und beißt (beides etwas komplett Neues für uns!) und wirkt mit sich und der Welt überfordert. Wir leiden mit und würden ihr gerne alles, was sie gerade beschäftigt, abnehmen und den Weg für sie gehen. Nur leider geht das nicht. Und wir wissen noch nicht mal, was genau eigentlich gerade los ist. Ist es zu viel? Braucht sie mehr Zeit für sich? Oder mit mir? Überfordert sie etwas? Ist etwas in der Kita passiert, das sie nicht loslässt?  Pause, Ruhe, Runterschalten Wir entschieden uns al...

Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittre Medizin versüßt- oder: Wir lernen Anziehen

Photo by  mali maeder  from  Pexels Manchmal sind Lösungen doch nahe liegend. Das heißt nicht, dass sie deshalb auch einfach umzusetzen sind. Und trotzdem (oder vielleicht auch gerade darum) freue ich mich, dass wir für eine unserer Herausforderungen eine so schöne Lösung gefunden haben. Marie ist jetzt drei Jahre alt und benötigt beim An- und Ausziehen weiterhin viel Hilfe. Die Koordination fällt ihr schwer, aber vor allem hat sie keine Lust. Sie sieht, so scheint es mir, einfach nicht den Sinn darin. Und das viel vorgeschlagene "Aussitzen und Abwarten" ist nicht wirklich realisierbar, wenn man 1. zur Kita muss und 2. die Mama nicht mit unendlicher Geduld ausgestattet ist. Was können wir also tun?  Marie gab uns quasi die Antwort von selbst: "Wenn es mir Spaß macht, bin ich bereit zu lernen." Und was macht Marie Spaß? Fangen! Mir fiel auf, dass sie immer lachend vor mir weg rannte, wenn ich mit den neuen Kleidungsstücken ankam. Wir spielten also eine Rund...

Vertrauen

Photo by  Levi Damasceno  from  Pexels Normalerweise gehe ich mit den Mädels auf unseren Standardspielplatz. Übersichtlich, schattig und für uns am wichtigsten: Mit Zaun. Leider ist dieser aber bei schönem Wetter komplett überfüllt und ich gestresst- während Paula auf das große Klettergerüst klettert, nimmt Marie den Puppenwagen eines anderen Kindes auseinander... das wollte ich mir diesmal nicht geben, weswegen wir auf einen Waldspielplatz gingen. Wunderschöner Spielplatz, nur eben auch sehr weitläufig. Ich weiß, wie wichtig es ist, Vertrauen in die Kompetenzen meiner Kinder zu haben. Dass Eltern ihren Kindern etwas zutrauen sollen. Dass Kinder die Freiheit brauchen, auf ihre Art und in ihrem Tempo die Welt zu entdecken. Nur: ganz so einfach ist es für uns eben nicht. Und genau das habe ich bei diesem Spielplatzaufenthalt gespürt. Vertrauen in Maries Fähigkeiten Marie kann viel. Sie ist motorisch echt fit und auf schwierigen Klettergerüsten sucht sie meine Au...

Das A-Wort

Es gibt Worte, die gehen einem schwer über die Lippen. Dinge, die möchte/darf /soll man nicht aussprechen. Vielleicht denkst du jetzt an ein bestimmtes Schimpfwort, das mit A beginnt. Vielleicht (das läge ja nur nahe beim Thema dieses Blogs) denkst du auch an Autismus. Mein persönliches, schwer auszusprechendes Wort mit A ist aber "Akzeptanz". Es gibt Menschen, die haben die großartige Fähigkeit, Dinge so anzunehmen wie sie sind. Für diese Menschen ist auch nicht alles Sonnenschein, aber sie schaffen es im Hier und Jetzt zu bleiben und können damit ihre Herausforderungen gut annehmen. Andere Menschen, und dazu zähle ich, tun sich damit schwer. Bevor ich eine Ungerechtigkeit akzeptiere, muss ich erst mal alle Lösungswege und Möglichkeiten ausloten. Mit voller Energie werfe ich mich auf ein Problem, versuche es mit allen Mitteln und Möglichkeiten zu lösen. Ich bewundere Eltern autistischer Kinder, die auf Anhieb sagen können "Ich liebe mein Kind über alles und all...

Darf man Geburtstage ausfallen lassen?

Photo by  fotografierende  from  Pexels Aktuell treibt mich eine Frage um. Marie wird in ein paar Wochen stolze drei Jahre alt. Drei Jahre! Es ist der Klischee-Satz schlechthin, aber: Ja, die Zeit vergeht wie im Flug. Nur: Wie feiert man einen Geburtstag, wenn das Kind noch gar nicht versteht, was das eigentlich soll? Meine Geburtstage sind mit die schönsten Kindheitserinnerungen, die ich habe. Bei uns wurden Geburtstage jedes Jahr zelebriert: Luftschlangen, Girlanden und Luftballons, bunter Geburtstagskuchen, ein Tisch voller Geschenke. Geburtstagslieder. Hochleben lassen. Besuch, noch mehr Kuchen und noch mehr Geschenke. Für mich gab es keinen schöneren Tag im Jahr. Meine Kinder möchte ich genauso hochleben lassen. Sie sollen sich einen Tag wie Prinzessinnen fühlen dürfen. Nach unserem anstrengenden letzten Jahr ist dieses Bedürfnis umso größer. Ich will Marie feiern, ihr noch mehr zeigen, wie stolz ich auf sie bin und wie großartig sie ist. Am liebsten würde ic...

Inklu..what?!

Photo by  Sharon McCutcheon  from  Pexels Inklusion ist so ein Thema, das interessiert einen meist erst dann, wenn man selbst betroffen ist. In der Theorie wünschen wir uns, dass unsere Kinder in einer Welt aufwachsen, in der Diversität vollkommen normal ist. Kinder unterschiedlicher Herkünfte sollen genauso willkommen sein, wie Kinder mit zwei Mamas oder zwei Papas, von Alleinerziehenden, Kinder mit und ohne Behinderung. Ich glaube, fast jeder würde das erst Mal so unterschreiben, aber wenn es darauf ankommt, fällt es manch einer/m doch schwerer, als sie/er denkt. Inklusion, Toleranz und Hilfsbereitschaft sind Werte, die, zumindest in meiner Filterblase, ziemlich weit oben stehen. Voller stolz berichten Mütter auf dem Spielplatz, dass ihr Paul ja total klasse mit dem kleinen Jeremy ("weißt schon, der Autist von nebenan") umgehen könne. Paul wisse einfach viel schneller als andere, was der Junge brauche. Ich finde: Das dürfen diese Eltern tatsächlich stolz erzähle...

An die Erzieher, Ärzte und Therapeuten meiner Tochter

Photo by  rawpixel.com  from  Pexels Spätestens wenn Kinder in den Kindergarten gehen, lernen sie Menschen kennen, die dafür bezahlt werden auf sie aufzupassen. Für Kinder wie Marie, die verschiedene Baustellen mit sich tragen (rw), kommen außerdem Ärzte, Gutachter und Therapeuten hinzu. All diese Personen haben gemein, dass sie im Laufe ihrer Karriere einer Vielzahl von Kindern begegnen, das einzelne Kind also eines von vielen ist, und dass sie ohne den elterlichen "Hormon-boost" auskommen müssen, den (Groß)eltern beim Anblick ihrer (Enkel)kinder erleben. Wenn meine Kinder schwierig sind, sage ich gerne schulterzuckend zu meinen Freunden: "Oxytocin hilft."* Tut es auch, denn egal was kommt, die Liebe zu meinen Kindern ist immer spürbar. Marie bringt gerade, so mein Eindruck, nicht nur mich an meine Grenzen. Sie ist wuselig, getrieben, haut und beißt. Für mich am allerschlimmsten: Ich vermisse dieses ansteckende, zutiefst ehrliche Kinderlachen, ihre funkelnd...

Tagebucheintrag- Der Tag nach der Diagnose

Der 2. April ist Weltautismustag. Passend dazu, dachte ich mir, veröffentliche ich einen Tagebucheintrag, den ich unmittelbar nach Maries Diagnose schrieb. Wenn ich heute diese Zeilen lese, möchte ich mein damaliges Ich in den Arm nehmen und mir zuflüstern: "Alles wird gut." 19.12.2018: Gestern bekamen wir Rückmeldung über die ADOS-Spielbeobachtung, welche vor 4 Wochen im ASS-Zentrum durchgeführt wurde, und damit die Bestätigung für unseren Verdacht, dass Marie Autistin ist. Ich habe keine Ahnung, was ich fühle. Ich weine viel, ich vermute es ist Trauer (?), aber so recht greifen kann ich es noch nicht. Mit der Diagnose gibt es einen Begriff für Maries Erlebenswelt und das ist gut. Das kürzt lange Erklärungen ab, warum mein Kind so ist, wie sie ist, das macht es greifbarer. Es bietet hoffentlich auch Ansatzpunkte, Marie zu unterstützen. Es macht aber auch Angst. Angst vor Ausgrenzung, Hürdenläufen, Aufopferung. Oft denke ich, dass ich nicht gemacht bin für den Job. Da...

Über Hurrikan- und Tsunami-Tage

Photo by  Johannes Plenio  from  Pexels Zur Zeit ist ziemlich viel los bei uns: Marie und Paula haben sich kurzfristig für eine gemeinsame, intensive Trotzphase entschieden. So richtig mit allem Pipapo: Auf den Boden werfen, schreien, heulen und um sich schlagen. Alles Verbotene hat eine magische Anziehungskraft und jede Regel wird hinterfragt. Hinzu kommt mein Wiedereinstieg in eine Psychotherapie-Praxis in zwei Wochen. Als der Termin noch in weiter Ferne lag, war meine Vorfreude riesig, mittlerweile überwiegt deutlich das Lampenfieber. Obendrauf beschäftigt uns die Frage, in welchen Kindergarten Marie im Sommer wechseln soll und die Entscheidung fällt uns wirklich schwer. In solchen Phasen merke ich immer wieder, dass es Tage gibt, die ich - wie ich finde - meisterhaft bewältige und andere, an denen ich mich völlig überfordert und hilflos fühle. Ich nenne sie die Hurrikan- und Tsunami-Tage. Die Hurrikan-Tage  Manchmal kommt alles zusammen. Die Kinder strei...

Auch Autisten haben mal schlechte Tage

Auch Autisten haben schlechte Tage- na klar, denkst du? Aber sicher, sagt mein Kopf. Und doch frage ich mich gerade, wie gut ich das kann, Marie schlechte Tage haben "lassen". Unser Wochenende war ziemlich durchwachsen, Die Kita hatte uns Zwangsferien verordnet, da wegen Krankheit nicht genügend Erzieher vorhanden waren. Die Mädels waren erkältet, entsprechend schwer waren die Nächte und obendrein hatte Tim eine fiese Arbeitswoche hinter sich. Also alles in allem waren alle Familienmitglieder müde, kränklich und erschöpft. Marie war in diesen Tagen oft sehr bei sich, hat wieder viel mehr mit Kabeln gespielt und wollte auch wenig Interaktion mit uns. Normalerweise zeigt sie mir freudig ihre Sonderinteressen und will darüber Dinge erfahren. Wenn sie rennt, will sie gefangen werden. Wenn sie Ruhe braucht, kommt sie zu mir kuscheln. Dieses Wochenende schien es ihr aber ziemlich egal, ob ich da war oder nicht. Und jede Abweisung von ihr brach mir das Herz. Ich ...