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"Paula darf aber auch nicht zu kurz kommen" - über Geschwister besonderer Kinder

Unsere Frühförderungsstelle bietet einen Workshop für Eltern an, bei dem es um Geschwisterkinder behinderter Kinder geht. Zweimal wurde ich darauf hingewiesen, was sich für mich nach einer impliziten Aufforderung anfühlte. Vielleicht könnte man auch beim Lesen dieses Blog meinen, dass Paula nur der Sidekick ihrer autistischen Schwester wäre. Tatsächlich ist sie im echten Leben eine genauso große Hauptdarstellerin wie Marie. Paula ist so herzlich, so witzig und manchmal so herrlich trotzig, ich könnte Bände über sie schreiben. Dass Geschwister behinderter Kinder manchmal als "Schattenkinder" bezeichnet werden, fühlt sich für mich daher merkwürdig an. Aber vielleicht bin ich da auch gar nicht die richtige Beurteilerin (oder vielleicht genau die richtig?), denn wenn man so will, müsste ich mich selbst zu dieser Kategorie zählen. Als Schwester eines Bruders mit Down-Syndrom sah ich mich, um im diesen Bild zu bleiben, jedoch immer als strahlendes Sonnenkind. Für mich war es...

Wenn man mich mit meiner autistischen Tochter sieht,...

Wenn man mich mit meiner autistischen Tochter sieht, ... könnte man meinen, ich sei eine krasse Attachement Parenting Mutter, denn ich trage mein (ein Meter großes) Kindergartenkind noch immer (in der Kraxl) durch die Großstadt. Was ihr nicht seht: Die Kraxl ist Maries Zufluchtsort bei Reizüberflutung. ... könnte man meinen, dass ich es mit der Bindungsorientierung doch etwas zu weit treibe, denn wenn es hart auf hart kommt kuscheln Marie und ich auch im Regen auf der Bordsteinkante mitten in der Großstadt. Was ihr nicht seht: Wenn es für Marie zu viel wird, wird es zu viel. Dann müssen wir schnell handeln und Sicherheit schaffen. ... könnte man meinen, ich sei laissez-faire, denn ich lasse meiner Tochter Dinge durchgehen, die Andere beanstanden würden. Was ihr nicht seht: Das Befolgen jeder noch so selbstverständlichen sozialen Regel ist für Marie eine Herausforderung. Wir entscheiden uns daher nur für die Regeln, die uns wirklich wichtig sind. ... könnte man meinen...

Oh du liebes Geburtstagskind!

Meine liebste Marie, drei Jahre darf ich mich nun deine Mama nennen und heute ist es wieder an der Zeit, all das für dich festzuhalten, was ich an dir liebe und was dich glücklich macht. Dein zweiter Vorname ist Wirbelwind, denn du liebst Bewegung! Du liebst es zu hüpfen, zu rennen, dich im Kreis zu drehen und lachend auf dem Po zu landen. Du schlägst Purzelbäume und kletterst zum höchsten Rand des Klettergerüsts. Du hängst dich in die Seile, lässt deine Beine baumeln und überblickst den Spielplatz. Du liebst verstecken spielen und fangen. Deine Augen strahlen dabei. Dein dritter Vorname ist Quatschbanane, denn du liebst es mir kleine Streiche zu spielen. Mit deiner Schwester hast du den perfekten Partner in crime gefunden. Wenn ich euch im Nebenzimmer glucksen höre, weiß ich, dass ihr die Kindersicherung überlistet und den Schrank ausgeräumt habt. Komme ich zu euch und rufe empört "Oh nein, sind hier zwei Schlingel am Werk!?" hältst du dir den Bauch vor Lachen. Dei...

Tagebucheintrag- Der Tag nach der Diagnose

Der 2. April ist Weltautismustag. Passend dazu, dachte ich mir, veröffentliche ich einen Tagebucheintrag, den ich unmittelbar nach Maries Diagnose schrieb. Wenn ich heute diese Zeilen lese, möchte ich mein damaliges Ich in den Arm nehmen und mir zuflüstern: "Alles wird gut." 19.12.2018: Gestern bekamen wir Rückmeldung über die ADOS-Spielbeobachtung, welche vor 4 Wochen im ASS-Zentrum durchgeführt wurde, und damit die Bestätigung für unseren Verdacht, dass Marie Autistin ist. Ich habe keine Ahnung, was ich fühle. Ich weine viel, ich vermute es ist Trauer (?), aber so recht greifen kann ich es noch nicht. Mit der Diagnose gibt es einen Begriff für Maries Erlebenswelt und das ist gut. Das kürzt lange Erklärungen ab, warum mein Kind so ist, wie sie ist, das macht es greifbarer. Es bietet hoffentlich auch Ansatzpunkte, Marie zu unterstützen. Es macht aber auch Angst. Angst vor Ausgrenzung, Hürdenläufen, Aufopferung. Oft denke ich, dass ich nicht gemacht bin für den Job. Da...

Vorstellungsrunde oder: Team Marie

Photo by  Min An  from  Pexels Die letzten Tage - meine ersten Blogger Tage - waren ganz schön aufregend! Während ich mich noch durch alle möglichen Funktionen und Layouts wurschtel, überlege ich natürlich, welchen Artikel ich als nächstes veröffentlichen sollte. Es macht wohl sehr viel Sinn uns erst mal ordentlich vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach, wie ich feststelle.  An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich hier unter einem Pseudonym schreibe. Auch Tim, Marie und Paula heißen eigentlich anders. Wir haben uns für diese Art des Bloggens entscheiden, um insbesondere die Privatsphäre unserer Kinder zu schützen. Ich kann dadurch auch freier über meine Gedanken und Gefühle schreiben und so hoffentlich einen authentischen und ehrlichen Einblick in das Familienleben mit Autismus geben. Also, los geht's. Sarah (Mama) Das bin dann wohl ich ;-) Zu allererst bin ich natürlich Mama. Das heißt, ich spiele und lache mit meinen Kindern und bin unte...